Die Geburt einer Gemeinde (1994/95)

Seit Anfang 1994 wuchs der Wunsch einiger Christen, die zu Freien evangelischen Gemeinden in Bonn und Köln gehörten, eine solche Gemeinde auch in Brühl zu gründen. Sie hatten sich immer wieder zu Hauskreisen und Gebeten getroffen, mussten aber sonntags ins Auto steigen, um in ihren Gemeinden Gottesdienst zu feiern. Sie hätten ja auch in die bestehenden Brühler Kirchen gehen können, zu denen einige von Kindheit an gehörten. Aber in Bonn und Köln erlebten sie eine Form von Gemeinde, die in ihren Grundlagen anders strukturiert ist als die Volkskirchen, nämlich als Gemeinde, der nur solche als Mitglieder angehören, die sich auf den Ruf Gottes hin eigenständig zum Glauben an Jesus Christus bekennen. Entsprechend versucht sie, sich nach biblischen Vorgaben aufzubauen, tauft keine Kleinkinder und lebt als Freiwilligkeitsgemeinde, in der auch alle nötigen Geldmittel nur durch freiwillige Spenden und Beiträge aufgebracht werden. Sie bekennt sich zur Reformation und mit vielen anderen Kirchen der Welt zum Apostolischen Glaubensbekenntnis und sucht mit ihnen guten Kontakt zu pflegen.

Im Frühjahr 1994 bildete sich der Initiativkreis „Gemeindegründung FeG Brühl“, der die Gemeindegründung unterstützt von den "Muttergemeinden" Bonn und Köln-Lindenthal zielstebig verfolgte. Schon am 9. September 1994 fand die Gründungsversammlung statt. 20 Personen waren daran beteiligt, von denen heute noch etliche zur Gemeinde gehören. Zum„vorläufigen Leitungskreis“ wurden Walter Dross, Eckhard Göhring, Hooman H. und Martin Leonhard gewählt. Bereits Anfang November konnte Reuben Goertz als Pastor eingesetzt werden, der mit seiner Frau Elinor aus dem aktiven Ruhestand aus Kanada nach Brühl kam.

Am 22. Januar 1995 fand der Festgottesdienst zur Gemeindegründung in der Aula der St. Franziskus-Schule statt, die von der Stadt Brühl für Gottesdienste sonntags morgens zur Verfügung gestellt wurde. Zu dem Eröffnungsgottesdienst waren die Vertreter der Stadt und der Kirchen eingeladen, denen mitgeteilt worden war, dass sich die neue Gemeinde „als Ergänzung zum konfessionellen Angebot in Brühl“ verstand. Es nahmen tatsächlich an die 200 Personen am Gottesdienst teil, darunter die Brühler Bürgermeisterin, ihrem Wunsch gemäß als „stille Zuhörerin“. Die Presse berichtete ausführlich und notierte, dass die neue Gemeinde auch alle ansprechen wolle, „die bisher keine oder eine kritische Beziehung zur christlichen Kirche hatten.“

Frühe Kindheit (1995 bis 2000)

Wenige Monate später konnte die junge Gemeinde bescheidene Räume in der Hermülheimer Straße anmieten, in denen Gottesdienste gefeiert und das Gemeindeleben mit Kinder- und Jugendarbeit aufgebaut werden konnte. 

Bereits 1996 wurde die FeG Brühl mit inzwischen 29 Mitgliedern als selbstständige Gemeinde in den Bund Freier evangelischer Gemeinden KdöR aufgenommen worden.

Die Gemeinde feierte Jahr für Jahr ihren Geburtstag im Januar, suchte Kontakte mit Menschen, die „auf der Suche nach Antworten zu aktuellen Fragen sind und den Weg zum christlichen Glauben wagen wollen“ (Brühler Schlossbote vom 20.1.2000), beteiligte sich an der bundesweiten missionarischen Aktion „ProChrist“ und konnte bei der Jahrtausendwende rund 40 Mitglieder zählen.

Kindheit und Wachstum (2000 bis 2005)

Nachdem Pastor Goertz in den endgültigen Ruhestand nach Kanada zurückgekehrte, berief die Gemeinde Hartmut Weyel aus Berlin zu ihrem neuen Pastor. Er wurde am 9. April 2000 in sein Amt eingeführt. Neben den Ausgaben für die laufende Gemeindearbeit und die Miete kam die Gemeinde nun erstmals für eine Dreiviertelstelle für den Pastor auf. Das bedurfte großer finanzieller Anstrengungen. Dabei kam ihr die Patenschaft mit der FeG Wuppertal-Barmen sehr zur Hilfe.

Bemerkenswerte Aktionen in dieser Zeit waren „Das Jahr der Bibel“ (2003) und die „Woche der Begegnung“ (2004) sowie die Veranstaltungen zum zehnjährigen Geburtsjahr (2005) mit Festgottesdienst, Konzerten und Podiumsdiskussionen.

Daneben konnte die Gemeinde mehrere Taufen im Heider Bergsee feiern, die jedesmal ein besonderes Zeichen für Gottes gnädiges Handeln bedeuteten. In dieser Phase konnte die Gemeinde jedes Jahr um etwa 10 neue Mitglieder wachsen. Das machte den Umzug in erweiterte Räume erforderlich: neben den bisherigen Räumlichkeiten stand nun ein Gottesdienstsaal für 100 Personen mit einem angrenzenden Kleinkinderraum zur Verfügung.

Pubertät und Jugend (2005 bis 2014)

Nachdem Hartmut Weyel in den aktiven Ruhestand verabschiedet wurde (er blieb Gemeindemitglied), wurde Jens Mankel zum Pastor berufen und im Juli 2005 in sein Amt eingeführt.

Von 2006 bis 2009 entsandte die Gemeinde Sigi und Jens Müssel (mit wachsender Kinderzahl) als Missionare nach Mosambik.

Seit 2009 bereicherte die Afrikanische FeG Brühl die Gemeinde als Tochtergemeinde, auch in gemeinsamen Gottesdiensten. Am 19. September wurde sie offiziell als Gemeinde in den Bund Freier evangelischer Gemeinden aufgenommen.

Am 9. September 2014 konnte die Gemeinde ihren 20. Geburtstag feiern.

Wanderjahre und Sesshaftwerdung (ab 2015)

Bereits Anfang der 2000er Jahre wurde der Gemeinde bewusst, dass die Lage der Mieträume in der Hermülheimer Str. 10 - im hinterletzten Winkel eines Gewerbegebiets - ein Hindernis ist, um Menschen einzuladen und in der Stadt wahrgenommen zu werden. Die Suche nach umbaufähigen Immobilien in Brühl verlief ergebnislos. Ein Grundstück in günstiger Lage (Alte Bonnstr. 146) wurde wieder verworfen, weil es zu teuer war und zudem in einem Landschaftsschutzgebiet lag. Doch einige Monate später trat die Stadt Brühl an die Gemeinde heran: sie hatte das Gebiet in ein Neubaugebiet umgewidmet und „unser“ Grundstück für eine öffentlich-kirchliche Funktion reserviert. Durch den nun günstigeren Preis und Zusagen dauerhafter Spenden konnte das Grundstück 2009 erworben werden.

Die Planungen für ein Gemeindehaus auf dem Grundstück zogen sich in, bis im Herbst 2014 der Bauantrag genehmigt war. Doch wie soll man eine 1,3 Mio. €-Baumaßnahme finanzieren, wenn man praktisch keine Rücklagen und durch den Grundstückskauf ordentlich Schulden hat? Es schien aussichtslos, aber Gott öffnete drei entscheidende Türen: 1. Pastor Jens Mankel kündigte aus persönlichen Gründen und schlug selbst vor, seine Stelle nicht sofort wieder zu besetzen. 2. Praktisch zeitgleich machte die evangelische Kirchengemeinde im Nachbarort von sich aus (!) das Angebot, ihr kleines Gemeindezentrum in Sechtem mit nutzen und so durch Kündigung des bisherigen Mietobjekts einen Großteil der Mietkosten sparen zu können. 3. Die Spar- und Kreditbank Witten ermutigte die Gemeinde mit einem günstigen Finanzierungsplan, der lediglich ein Startkapital von 80.000 € bis zum Baubeginn vorsah. Dieses Ziel erreichte die Gemeinde bereits Ende 2015.

Im September 2015 begann ohne Pastor eine zweijährige „Wüstenwanderung“ nach Sechtem (das zweite Jahr mit pastoraler Begleitung durch das Ehepaar Meißner aus Köln-Mülheim). Ein neues Bauprojektteam und etliche Planungsteams für einzelne Gewerke nahmen ihre Arbeit auf. Die Bauleitung übernahm ein ehemaliges Gemeindeglied. Kurz vor dem 1. Spatenstich am 2. September 2016 ermöglichte eine externe Sonderspende „aus heiterem Himmel“ über 120.000 € die Entscheidung, auch den eigentlich zurückgestellten Anbau einer Cafeteria gleich mitzubauen. Schon im August 2017 konnte die Gemeinde in das weitgehend fertiggestellte Gemeindehaus einziehen und am 17. September 2017 mit großer Dankbarkeit die offizielle Eröffnung feiern. Seit 1. September 2017 begleitet Rüdiger Franz die Gemeinde als Pastor mit einer 25%-Stelle.